Gießen, Schiffenberger Tal 123
Erschienen am 13.06.2025 in der Sonderbeilage anlässlich
275 Jahre Gießener Anzeiger (link zur Beilage als ePaper)
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Text weiter unten als Fließtext lesbar.
Wasserstoff-Mobilität - von der Vision zur Realität
Erschienen am 16.03.2025 in der Jubiläumsausgabe "275Jahre Gießener Anzeiger"
"Wir wissen schon lange, dass wir den CO2-Ausstoß auch im Straßenverkehr dramatisch reduzieren müssen. Mit der Brennstoffzellen-Technik steht eine geniale Alternative zum Verbrenner zur Verfügung, scheitert aber an den Stimmen der Kritiker: Es gibt keine Tankstellen, es stehen keine Fahrzeuge zur Verfügung, die Technik ist nicht wirtschaftlich. Meine Antwort darauf ist: Es muss einfach mal ein Anfang gemacht werden!“
Diplom Wirtschaftsingenieur Frank D. Roth folgt seiner Vision, dass emissionsfreie Mobilität mit Wasserstoff-Antrieb den Sprung vom Konzept in die Realität schaffen wird und trägt sein Möglichstes dazu bei. „Die konsequente Umsetzung der Wasserstoff-Idee ist möglich.“ Frank D. Roth steckt sein ganzes Engagement in sein Unternehmen CE-Station GmbH und das Projekt "clean energy", das er hier erstmals umfassend skizziert.
So entsteht im Schiffenberger Weg 123 seit 2021 ein beispiellos konsequent umgesetztes Projekt rund um Wasserstoff. Vor Ort gewonnene Sonnenenergie wird zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt und für die Betankung von Wasserstoff-Fahrzeugen bereitgestellt.
Die Komplexität des Projektes ergibt sich aus dem Anspruch, alle Überschüsse und Prozessnebenprodukte zu nutzen und damit die Effektivität zu optimieren. „Die Wasserstoff-Kritiker lassen die nutzbaren Nebenprodukte der Wasserstoff-Herstellung in ihren Berechnungen aus und erklären die Technik schnell für nicht wettbewerbsfähig. Das ist ein großer Fehler und eine bedauerliche Bremse für die Akzeptanz und Realisierung dieser emissionsfreien Technik. Abgesehen davon schreit unser Planet dringend nach emissionsfreier Mobilität.“
Mit dem Projekt „Clean Energy“ stellt sich Frank D. Roth eindrucksvoll den "Ja, aber!"-Ein-wänden der Skeptiker entgegen. „Ich bin wirklich davon überzeugt, dass sich die Technik durchsetzt und dass durch das Zusammenspiel aller Techniken Effektivität und Wirtschaftlichkeit optimierbar sind!“
Frank D. Roth setzt alles um, was rund um Wasserstoff möglich ist. Erzeugung, Bereitstellung, Lagerung, Transport, Nutzung von Wasserstoff und Weiterverwendung der Nebenprodukte, die im Prozess der Wasserstoff-Herstellung anfallen: Wärme und Strom können in firmeninterne und/oder öffentliche Netze eingespeist werden.
Das für die Öffentlichkeit sichtbare Ergebnis ist die Tankstelle, die seit 2023 in Betrieb ist.
Für das Problem der mangelnden Verfügbarkeit von Wasserstoff-Fahrzeugen hat der Visionär ebenfalls eine sehr pragmatische Lösung: Er stellt eine eigene Flotte aus derzeit 6 Toyota Mirai und 6 Hyundai Nexo bereit, die im Konzept CARsharing eingesetzt werden und ermöglicht damit, interessierten Nutzern eigene Erfahrungen mit Wasserstoff-Fahrzeugen zu machen.
Wie weit die Vision reicht und wie komplex die Planungen sind zeigt die Projektskizze. „Ein großer Teil der „Bausteine“ ist bereits umgesetzt und in Funktion, aber es gibt noch viel zu tun.“ Frank D. Roth freut sich, dass doch schon so viele Projektbestandteile als „realisiert“ gekennzeichnet werden können.
Dass sich ein Projekt dieser Vielschichtigkeit nur mit gewerkübergreifend denkenden Unternehmen realisieren lässt, liegt auf der Hand. Die Beteiligten können und wollen sich mit derselben Leidenschaft wie Frank D. Roth in das komplexe Thema einarbeiten, müssen darüber hinaus die Arbeitsperformance haben, auftretende Probleme flexibel zu lösen, Termine verbindlich einzuhalten und Hand in Hand mit allen anderen Gewerken zu agieren.
Dabei gibt es keinen fixen Terminplan von Baubeginn bis -ende. Viele technische und behördliche Unwägbarkeiten erschweren die Planung und Erstellung dieser Anlage, die einzigartig ist und für die es kein „Schema F“ gibt.
Bauherr, Planer und Techniker sitzen während der regelmäßig stattfindenden Baubesprechungen bei Kaffee und Keksen vor den großen Plänen, die an der Wand des Besprechungsraumes hängen. Per Online-Meeting und Telefonkonferenz werden diejenigen zugeschaltet, die nicht persönlich teilnehmen können. „Das alles funktioniert prima gleichzeitig und verkürzt die Absprachewege.“
In den ersten vier Jahren seit Planungsbeginn im Jahr 2017 hat Frank D. Roth das Projekt komplett allein entwickelt und gesteuert, doch 2021 wurde es Zeit, die richtigen Mitstreiter ins Boot zu holen. Bei der Auswahl der Geschäftspartner überlies der Bauherr nichts dem Zufall. Zum Gesamtkonzept passend, stehen alle beteiligten Firmen auch selbst hinter der Idee und genießen großes Vertrauen.
Diese Unternehmen haben am Projekt "clean energy" maßgeblich mitgewirkt:
- Dipl.-Ing. Wolf-Dieter Specht | Architekt | 63263 Neu-Isenburg
- EMCEL GmbH | Beratung und Engineering für die Energiewende | 50829 Köln
- Paul Barteck | Ing.-Büro für Haustechnik | 74862 Binau
- Ingenieurbüro Pfeffer GmbH | Energie- und Bauleistungen | 63322 Rödermark
- Schaab GmbH & Co. KG | Tankstellenbau | 63755 Alzenau
- TSG GmbH & Co. KG | Tankstellentechnik | 56412 Nentershausen
- Z-Bau GmbH & Co. KG | Tankstellenbau | 36452 Empfertshausen
- MAXIMATOR Hydrogen GmbH | Wasserstofftechnik | 99734 Nordhausen
- Peter Spormann GmbH | Garten- und Landschaftsbau | 35428 Langgöns
- DV-Kontor Königsfeld GmbH & Co. KG | IT Systemhaus | 35444 Biebertal
- Jutta Königsfeld | Grafik- und Webdesign | 35444 Biebertal
Die weitaus engste Zusammenarbeit aber passiert tagtäglich im Büro. Mit Heinz-Jürgen Schneider hat Frank D. Roth einen Allrounder an seiner Seite, der verlässlich anpackt, wo immer anzupacken ist und dem Bauherrn täglich den Rücken freihält. Das Büro organisiert Andrea Gregor, behält den Überblick, koordiniert Termine und Besprechungen und erledigt die korrekte Korrespondenz. Fuhrparkleiter Frank Schimmel entwickelt und betreut das Geschäftsmodell CAR-sharing für die Region. Leon Christopher Schneider sorgt als Hausmeister für Ordnung auf dem weitläufigen Gelände im Schiffenberger Weg 123 und hält die CARsharing-Flotte startklar. Diese Mitarbeitenden wirken zwar weitestgehend im Hintergrund, sind aber die wichtigste Unterstützung des Projektes und eine unerschütterliche Konstante für Frank D. Roth. Dieses Team lässt sich nicht von Unwägbarkeiten, Rückschlägen oder Problemen erschüttern und behält das „Große Ganze“ fest im Blick.
„Die Tankstelle CE Station ist ja schon seit August 2023 in Betrieb und stellt Wasserstoff für PKW, LKW und Busse zur Verfügung, was mir vorrangig am Herzen lag. Dass hier und da noch immer oder wieder mal ein Bauzaun zu sehen ist, liegt an der Vielschichtigkeit des Projektes und wird noch eine Weile zum Gesicht der Tankstelle gehören. Die Anwesenheit eines Bauzaunes lässt nicht auf die Nutzbarkeit der Tankstelle schließen.“ Frank D. Roth weiß, dass es Menschen gibt, die voreilige Schlüsse ziehen. Tatsächlich sind große Projektteile wie zum Beispiel ein Solar-Park in Gießen noch in Arbeit und machen Ergänzungsarbeiten nötig, die im laufenden Tankstellenbetrieb stattfinden werden. Eine Spülbohrung mit einer Länge von ca. 250m ist notwendig. Hierdurch werden die zum Unternehmen gehörenden Objekte untereinander und mit unserem internen Strom- und Nahwärmenetz verbunden.
Neben Wasserstoff für PKW (700 bar) und LKW / Busse (350 bar) stehen im Schiffenberger Weg 123 auch die konventionellen Kraftstoffe Super E 10, Super, Super Plus, Diesel für PKW und LKW, Power Diesel und AdBlue zur Verfügung. Es kann rund um die Uhr mit allen aktuell gängigen Zahlungssystemen und unser hauseigenen Tankkarte bargeldlos getankt werden. Außerdem steht an allen Säulen Reifendruckluft mit elektronischer Druckanzeige zur Verfügung.
„Unser Ziel war es, die Tankstelle so schnell wie möglich an den Start zu bringen, die Infrastruktur des bundesweiten Wasserstoff-Netzes zu ergänzen und den wirtschaftlichen Betrieb der Tankstelle durch das Angebot konventioneller Kraftstoffe zu ermöglichen. Das ist uns immerhin bereits 2 Jahre nach Baubeginn gelungen.
Das Knowhow, das sich in diesem Pilotprojekt angesammelt hat, wird Anschlussprojekte sicherlich reibungsärmer und schneller umsetzbar machen.“
Mit der Verfügbarkeit von Wasserstoff wurde auch möglich, dass die regionalen Verkehrsbetriebe sich mit dem Thema beschäftigen. Im Projekt „Lernwerkstatt Brennstoffzellenbusse im Landkreis Gießen“ haben die Betriebe Erletz Reisen, Schwalb Busbetrieb, Verkehrsbetrieb Franke und Verkehrsbetrieb Weber den Einsatz der Wasserstoff-Busse erprobt und für gut befunden. Auf geeigneten Strecken sind aktuell 2 Wasserstoff-Busse im ÖPNV im Einsatz und bilden einen Teil der emissionsfreien Flotte, die gesetzlich angestrebt ist.
Trotz der umfassenden Baumaßnahmen auf dem Gelände sollte möglichst viel Raum für Stadtbegrünung entstehen, und zwar weit über die Begrünungspflicht hinaus. Die ehemals flächendeckende Versiegelung wurde aufgebrochen und um Pflanzinseln ergänzt. Auch hier wurde sorgfältig geplant. 30 unterschiedliche, wertvolle Bäume - sogenannte Klimabäume – wurden gepflanzt. Sie halten den Herausforderungen der Klimaveränderung besonders gut stand und werden damit nachhaltigen Mehrwert für Umwelt und Stadtbild bieten. Für die Unterpflanzung wurden ca. 10000 Blumenzwiebeln und 4500 Stauden gesetzt, die als Bienenweide dienen und damit einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität in der Stadt leisten.
„So langsam wird sichtbar, was geht!“ freut sich Frank D. Roth und fährt mit dem Mountainbike in den Feierabend.
Die Tankstelle in direkter Nähe der Anschlussstelle A 485 "Gießen - Schiffenberger Tal" ist großzügig angelegt und bietet neben Wasserstoff auch alle konventionellen Kraftstoffe für PKW, LKW und Busse. Außerdem steht an allen Säulen Reifendruckluft mit elektronischer Druckanzeige zur Verfügung.
Einer der "Lernwerkstatt Brennstoffzellenbusse im Landkreis Gießen" Bus des Unternehmens Schwalb Verkehsbetrieb kommt zur Betankung in den Schiffenberger Weg an die Wasserstoff-Tankstelle. Von hier aus werden regionale Strecken emissionsfrei absolviert.
Emissionsfrei aus Überzeugung -
das ist unser Antrieb!
Wir folgen der Vision, dass emissionsfreie Mobilität mit Wasserstoffantrieb den Sprung vom Konzept in die Realität schaffen wird und tragen unser Möglichstes dazu bei.
Im August 2023 haben wir in Gießen im Schiffenberger Tal eine Tankstelle eröffnet, deren Hauptaufgabe es sein wird, das bundesweite Netzwerk aus Wasserstoff-Tankstellen zu ergänzen.
Natürlich bieten wir auch konventionelle Kraftstoffe an und Stromladesäulen sind in Vorbereitung.
Besonders wichtig ist uns aber die konsequent "grüne" Umsetzung der Wasserstoffidee, nicht nur um den "Ja, aber!"-Einwänden der Skeptiker zu begegnen. Wir sind wirklich überzeugt.
Der Wasserstoff, den wir anbieten, wird vor Ort aus unserem eigenen grünem Strom hydrolysiert. Dieser wird nicht nur von der Photovoltaik-Anlage geliefert, mit der das Dach der Tankstelle vollflächig belegt ist. Wir erzeugen darüber hinaus nachhaltigen Strom im Gigawattbereich mit unseren eigenen, regionalen Wind- und Solaranlagen und sind damit energieautark für die Herstellung von grünem Wasserstoff.
Grüner Wasserstoff -
ohne Wenn und Aber.
Jetzt in Gießen.
Tankstelle allein reicht nicht.
Es muss auch Wasserstoffautos geben.
Huhn oder Ei?
Um der Frage, wer zuerst da war, aus dem Weg zu gehen, belassen wir es nicht bei dem Bau einer H2-Tankstelle, sondern stellen eine Flotte aus wasserstoffgetriebenen Fahrzeugen bereit, die in unserem CarSharing-Konzept verfügbar ist.
Hier gehts zum CARsharing:
Gießener Allgemeine Zeitung, 08.10.2021
Energiewende: Erste Tankstelle für Wasserstoff im Kreis Gießen
https://www.giessener-allgemeine.de/giessen/erste-wasserstofftankstelle-in-giessen-91041931.html
Gießener Anzeiger, 29.10.2023
Erste Tankstelle für Wasserstoff im Kreis Gießen
https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/erste-tankstelle-fuer-wasserstoff-92641991.html
Gießener Allgemeine Zeitung, 29.10.2023
Erste Tankstelle für Wasserstoff im Kreis Gießen
https://www.giessener-allgemeine.de/giessen/wasserstoff-fuer-den-landkreis-92642202.html